Geschichte der Pferde - Es begann mit Eohippus

Vor 60 Millionen Jahren lebte in tropischen Wäldern ein Tier, welches nicht größer war als ein Fuchs und bis heute als erster Vertreter der Gattung Pferd gilt. Eohippus unterschied sich maßgeblich von heutigen Pferden und Ponys: er hatte vier Zehen und war bestens für die sumpfigen Böden in seinem Lebensraum ausgestattet.
Wie es für die Evolution typisch ist, passten sich Pferde schleichend an ihre veränderten Lebensbedingungen an. Pferde und Ponys besitzen heute nur noch Griffelbeine, die rudimentären Überreste der drei überflüssigen Zehen. Die einzig verbliebene Zehe bei Pferden ist bekanntermaßen der Huf.

In wissenschaftlichen Kreisen herrscht Uneinigkeit darüber, ob Eohippus zur Familie der Equidae oder den Palaeotheriidae, einer längst ausgestorbenen Säugetierrasse, zugeordnet werden kann. Nichtsdestotrotz gilt Eohipuus als ursprünglicher Vertreter der Pferdeverwandten, die Palaeotheriidae gehörten ebenfalls zu dieser Gruppe.
Der erste tatsächliche Zehengänger, wie wir es von modernen Pferden kennen, war Pliohippus. Pliohippus lebte vor 15 bis 5 Millionen Jahren und ähnelte uns bekannten Pferden und Ponys.

Sein Gewicht lag schätzungsweise bei maximal 200 kg.
Zur heutigen Gruppe der Equidae gehören neben Haus- und Wildpferden Esel und Zebras. Genetisch betrachtet fand eine Trennung von Eseln und Zebra vor rund 2 Millionen Jahren statt. Welche genaue Abstammung Esel und Zebra wirklich haben, ist bisher unklar.

Przewalski, Tarpan und Co.

Erste archäologische Funde moderner Ponys und Pferde gab es in Nordamerika, sie sind über vier Millionen Jahre alt. Es handelt sich bei diesen Funden dem Verständnis nach nicht um Pferde im heutigen Sinne. Die gefundenen Überreste ähneln Ponys, bei der Gattung Equus gibt es aber innerhalb der verschiedenen Arten zum Teil sehr große Unterschiede.

Erste Pferde waren wie Eohippus eher klein, erst mit der Veränderung des Klimas entwickelte sich in Nordamerika ein anderer Pferdetyp. Das trockene Klima verursachte in Nordamerika die Bildung einer Steppenlandschaft. Pferde wurden in der Folge größer und langbeiniger, um sich schneller fortbewegen zu können.
Entstandene Landbrücken ermöglichten es später, dass viele Pferde Nordamerika verlassen konnten. Sie gelangten nach Eurasien und später bis nach Südafrika. Die aus Nordamerika nach Eurasien kommenden Pferde sowie Ponys sind die Stammform des heutigen Wildpferdes und des Hauspferdes.

In Nordamerika starben Pferde vor zirka 10.000 Jahren aus. Schuld war die sogenannte "Quartäre Aussterbewelle". In dieser Zeit starben zahlreiche Tierarten auf vielen verschiedenen Kontinenten aus. Der Grund für dieses Massenaussterben wird in der Forschung bis heute diskutiert. Möglich ist es, dass Klimaveränderungen oder der Einfluss des Menschen an diesem Phänomen maßgeblich beteiligt sind.

Dass es heute wildlebende Pferde und Ponys in Nordamerika gibt, ist den spanischen Eroberern zuzuschreiben. Diese brachten im 16. Jahrhundert Pferde im Zuge der Kolonialisierung mit nach Amerika. Ob sie ihre Pferde und Ponys bewusst zurückgelassen haben oder diese ausgerissen sind, ist nicht bekannt. Während die Ureinwohner Amerikas, die Indianer, einige Pferde einfingen, lebte ein Großteil frei in den Steppen Texas und Arizonas.

Allmählich bildeten sich aus den ursprünglich aus Nordamerika stammenden Wildpferden in Europa und Asien vier Typen heraus. Das Przewalksi-Pferd, der Tarpan, das Tundrenpferd und das Waldpferd - so zumindest war eine lange Zeit die wissenschaftliche These. Jeder einzelne dieser Typen passte sich an seine natürlichen Umweltbedingungen an.

Das Waldpferd gilt bereits lange als ausgestorben. Angenommen wird, dass es schwerer gebaut war als die anderen Pferde und Ponys zu der Zeit und in Nordeuropa lebte. Das Tundrenpferd, welches in Nordostsibirien gelebt haben soll, soll mit den Yakut-Ponys verwandt sein. Man glaubt, dass es selbst keinen Einfluss auf die Entwicklung der modernen Pferde beziehungsweise Ponys gehabt hat.
Jüngste Erkenntnisse zeigen, dass bis vor ungefähr 4000 Jahren neben modernen Hauspferden und Przewalski-Pferden zwei Linien existierten, die als ausgestorben gelten. Es liegt die Annahme nahe, dass beide Linien identisch mit dem Tundren- und Waldpferd sind.

Das Przewalski-Pferd war ursprünglich in Asien beheimatet, auffällig ist ein markanter Kopf und eine Stehmähne. Dass Przewalski-Pferde Wildpferde im engeren Sinne sind, wird aus wissenschaftlicher Sicht angezweifelt. Forscher glauben, dass es sich bei diesem Pferde-Typus um verwilderte Botai-Pferde handeln soll.
Hartnäckig hält sich der Glaube, dass das Przewalski-Pferd der Stammvater der heutigen Hauspferde und Ponys ist. Nachweislich trennten sich die Entwicklungslinien des Hauspferdes und des Przewalski-Pferdes vor 120.000 bis 240.000 Jahren. Deutliches Indiz: während sowohl Pferde als auch Ponys 64 Chromosen besitzen, hat ein Przewalski-Pferd 66.

Ähnliches gilt für den Tarpan, der als westliche Form des eurasischen Wildpferdes galt. Der Tarpan war im Vergleich schmaler gebaut und lebte in den südrussischen Steppen. Er gilt seit dem 19. Jahrhundert als ausgestorben.

Der Übergang vom Wildpferd zum Hauspferd

Die letzten lebenden Wildpferde waren neben dem Tarpan das Przewalski-Pferd.
Bei diesen beiden Arten ist unklar, ob es sich dem wissenschaftlichen Verständnis nach um Wildpferde handelt. Beim Tarpan herrscht ebenfalls keine Sicherheit darüber, ob er von verwilderten Hauspferden abstammen könnte.

Die Tatsache, dass Przewalski-Pferde verwilderte Botai-Pferde sein sollen, spricht dafür, dass mit dieser Art ein Wandel vom Wild- zum Hauspferd nachgewiesen werden kann.
Mit der Botai-Kultur in Nordkasachsten hat nachweislich die Domestikation des Wildpferdes begonnen. Die ersten Nachweise für gezielte Pferdezucht und Domestikation fallen in diesen Zeitraum.
Wildpferde im klassischen Sinne sind heute nicht mehr anzutreffen. Frei lebende Pferde und Ponys wie Mustangs in den USA oder die Dülmener in Deutschland werden als Wildpferde bezeichnet. Ist im Zusammenhang mit diesen Pferden die Rede von Wildpferden, sind allerdings verwilderte Hauspferde und nicht wirkliche Wildpferde gemeint.

Das Przewalski-Pferd, das nach wie vor als "stark gefährdet" auf der Roten Liste zu finden ist, ist in einigen Regionen wie beispielsweise der Mongolei, Ungarn oder der Ukraine erneut ausgewildert worden.
Eins ist bei der jahrtausendealten Entwicklung des Pferdes unverändert geblieben: Pferde wie Ponys bevorzugen einen Lebensraum, der einer Steppe, Savanne oder Wüste ähnelt.

Weite Flächen, ein karges Futterangebot und viel Bewegung entsprechen den Bedürfnissen des Hauspferdes. Spezielle Eigenschaften wie eine gute Hitzeverträglichkeit und Widerstandsfähigkeit gegen Kälte können einzelnen Typen zugeschrieben werden und entwickelten sich durch die kontinentale Verbreitung über tausende von Jahren hinweg.

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